Chemie Tarifrunde 2019

Keine Einigung - Verhandlungen vertagt

Die erste regionale Tarifverhandlung über Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen von 42 000 Beschäftigten in der westfälischen Chemieindustrie ist ohne Ergebnis ist zu Ende gegangen.

© IG BCE

Neben deutlichen Erhöhungen von Entgelten und Ausbildungsvergütungen will die IG BCE in diesem Jahr vor allem die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen verbessern: Ein „Zukunftskonto“, auf das für alle Beschäftigten jeweils tausend Euro pro Jahr eingezahlt werden, soll deren Entscheidungsfreiheit über Zeit oder Geld vergrößern. Eine zusätzliche tarifliche Pflegeversicherung soll sie im Pflegefall finanziell entlasten. Die Ford Offensive zur Qualifizierung der Beschäftigten soll den digitalen Wandel begleiten und dabei die Arbeitsplätze absichern. Der Arbeitgeberverband Chemie hat in dieser ersten Verhandlungsrunde auf regionaler Ebene kein Angebot dazu gemacht.

Harald Sikorski, Leiter des IG-BCE-Landesbezirks Westfalen und Verhandlungsführer auf Gewerkschaftsseite, begründete die Forderungen mit den veränderten Bedürfnissen arbeitender Menschen durch den demografischen und technologischen Wandel: „Kein Arbeitsplatz wird so bleiben, wie er heute ist. Qualifizierung dient nicht nur der Karriere, sondern ist erforderlich, um den eigenen Arbeitsplatz dauerhaft besetzen zu können. Deshalb bedarf es einer Qualifizierungsoffensive begleitend zur Digitalisierung.“

Parallel dazu will die Gewerkschaft die Entscheidungsfreiheit ihrer Mitglieder über deren Zeit vergrößern. Das soll mit einem „Zukunftskonto“ gelingen, auf das der Arbeitgeber jährlich tausend Euro einzahlt. Die Beschäftigten können über dessen Verwendung frei verfügen und auch für zeitliche Entlastung einsetzen.

Mit der geplanten tariflichen Pflegezusatzversicherung will die IG BCE Arbeitende für den Pflegefall besser absichern. Sikorski: „Wir brauchen die zusätzliche Pflegeversicherung, damit Menschen nicht in die Armut rutschen, wenn sie pflegebedürftig werden oder für die Pflege Angehöriger aufkommen. Auch die Unternehmen müssen sich auf eine steigende Zahl von pflegenden Angehörigen vorbereiten.“ Eine solche Versicherung wäre die erste tarifliche Pflegezusatzversicherung in Deutschland. Eine Diskussion seitens der Arbeitgeber allein über die wirtschaftlichen Risiken sei zu kurz gegriffen. „Wir müssen jetzt handeln, um Maßnahmen für die Zukunft zu treffen“, so Sikorski.

Die Tarifverhandlungen in der Chemieindustrie werden am 21. Oktober auf Bundesebene in Hannover fortgesetzt.

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