Tarifdemo in der Papierindustrie

Unsere Arbeit ist Mehrwert - 2,4 % sind nicht genug!

Dem Aufruf des IG BCE Landesbezirks Westfalen zur Kundgebung und Tarifdemonstrationszug am 24.06.2017 um 11:00 Uhr in Arnsberg folgten 150 Kolleginnen und Kollegen aus den Werken der Papiererzeugenden Industrie in Westfalen.

IG BCE

Tarifdemonstration der Papierindustrie am 24.6.17 in Arnsberg
26.06.2017
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Mit Bussen und PKW reisten die Beschäftigten an, um der Bundestarifkommission vor der 3. Verhandlungsrunde am 28.06. in Darmstadt den Rücken zu stärken.
Bereits im Vorfeld haben die Kolleginnen und Kollegen durch vielfältige betriebliche Aktionen ihren Unmut über das unzureichende Arbeitgeberangebot von 2,4 % auf 15 Monate zum Ausdruck gebracht.

Nach der Eröffnung der Tarifkundgebung durch Bezirksleiter Adi Siethoff vom Bezirk Dortmund-Hagen setzte sich der 200m lange Demonstrationszug durch die Altstadt von Arnsberg in Bewegung, vorbei am Sitz der Holding von WEPA, und dem Papierwerk von Reno de Medice.
Lautstark machten die Kolleginnen und Kollegen ihren Unmut Luft und forderten den gerechten Anteil ihrer Arbeit am wirtschaftlichen Erfolg ein.

Kein Verständnis zeigten die Kolleginnen und Kollegen für die Haltung der Arbeitgeberseite, die nach Ablehnung des Angebotes die Verhandlungen wieder bei Null beginnen will.

Das ist kein guter Stil und passt nicht zu einer vernünftigen Sozialpartnerschaft.

"Sozialpartnerschaft lebt von der Akzeptant beider Tarifparteien. Verhandlungen müssen auf Augenhöhe erfolgen und nicht durch ein vorgegebenes Limit das nicht weiter verhandelbar ist", so Jörg Esser, Landesbezirkssekretär und zuständig für die Tarifpolitik in Westfalen.

Am Verhandlungstisch besteht für die Arbeitgeber die letzte Chance zu einem fairen Ergebnis zu kommen.

Die Kolleginnen und Kollegen haben Anspruch darauf, dass ihre gute Arbeit und Leistungen durch mehr Geld im Porte­mon­naie auch wertgeschätzt wird.

Der IG BCE Verhandlungsführer Frieder Weißenborn betonte nochmals die gute und stabile Lage in der Branche, und das die Unternehmen selbst ihre Geschäftslage und Erwartungen als hervorragend bezeichnen, bzw. das der Ifo Geschäftsklimaindex sich auf dem höchsten Wert seit vielen Jahren befindet.

Alle Rahmenbedingungen sprechen für ein ordentliches Tarifergebnis. 2,4 % sind nicht akzeptabel, zumal die Unternehmen ihren Mitarbeitern auch außerhalb von Tariferföhungen Erfolgsbeteiligungen gewähren.

Wer für Erfolgsbeteiligungen Geld ausgibt hat auch Geld für Tariferhöhungen.

Anja Kirschner, Mitglied der Bundestarifkommission  und Betriebsratsvorsitzende von Kabel Premium Pulp & Paper in Hagen wies auf die betriebliche Realität von Personalknappheit, Überstunden, komplexeren Arbeitsabläufen, sowie Arbeitsbelastungen der Kolleginnen und Kollegen hin, deren Wertschätzung es nicht sein kann gerade mal mit dem Ausgleich der Preissteigerungsrate abgespeist zu werden.

Wer über Fachkräftemangel jammert und keine Perspektiven für junge Menschen bzw. qualifizierten Nachwuchs anbietet, wird Schwierigkeiten haben, die Zukunft der Papierindustrie zu sichern.

Auch das Gerede vom Strukturwandel der Branche ist ein alter Hut, der durch ständiges Wiederholen nicht besser wird.
Den Wandel haben wir gewollt, denn er trägt zu Veränderungen bei, weil ansonsten Stillstand und damit Rückschritt vorliegt.

Patrick Vogt, Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung von Reno de Medice betonte die Forderung nach einer überproportionalen Erhöhung der Ausbildungsvergütungen und der unbefristeten Übernahme der jungen Facharbeiter in den Betrieben.
Qualifizierter Nachwuchs will anständig und fair entlohnt werden.
Die Forderung der Bundestarifkommission von 4,8 % auf 12 Monate ist weder zu hoch, noch unanständig oder unfair.

Mit der Tarifdemonstration haben die Kolleginnen und Kollegen zunächst auf kleiner Flamme nur die Füße bewegt und sind noch nicht ins Laufen gekommen.
Steigerungsfähig sind wir allemal, wenn die Arbeitgeber am 28.06. kein verbessertes Angebot  auf den Verhandlungstisch legen.

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